Gliederung


(1) "Kommunikativer Aspekt" und "Kritischer Aspekt"

(2) "Analyse- und Planungskonzept der kritisch-kommunikativen Didaktik"

(3) Abgrenzung zu den anderen Theorien

(4) Aktiver Teil

(5) Kritikpunkte

(6) Partizipative Unterrichtsplanung

(1) "Kommunikativer Aspekt" und "Kritischer Aspekt"

Kommunikativer Aspekt



  • Begriff „kommunikativ“ spricht zwei Ebenen an:
    • 1. Ebene: bezieht sich auf die Annahme, dass Unterricht aus kommunikativem Prozess besteht
    • 2. Ebene: bezieht sich auf Dialektik dieser Didaktik



1. Ebene

kommunikativer Prozess lässt sich in mehrere Axiome unterteilen (auf Grundlage von Watzlawick):

    • Permanenz, Beziehung, Festlegung, Ökonomie, Erwartbarkeit, Regeln und Rollen, Inhalte und Beziehungen, Kontrolle, Mittel und Zweck

      • dieses Raster ermöglicht Unterricht wahrzunehmen und zu erfassen
                               
            

    1. Ebene


    Didaktische Aufgabe: Beachtung der Merkmale und optimale Gestaltung der genannten Aspekte


      • führt zu erfolgreicher Unterrichtssituation
      • Erfolg ist jedoch auch abhängig vom Potential der beteiligten Personen der Kommunikationssituation


    2. Ebene

    • bezieht sich auf Dialektik dieser Didaktik
    • basiert auf der Annahmen, dass Unterricht als kommunikativer Prozess bestimmt wird
      • Diese Didaktik fordert ein Lehren und Lernen welches kommunikativer werden soll
        • Voraussetzung dafür ist eine Symmetrie der Kommunikationspartner
          • Lehrperson wird zu "pädagogisch verantwortlichem Berater"

    Der kritische Aspekt


    Grundanahme: Die didaktische Wirklichkeit bzw. der didaktische Raum (Unterricht, Lehren, Lernen etc.) ist mit der gesamtgesellschaftlichen Wirklichkeit verwoben.

    => Wechselseitige Beeinflussung


    Die Verbesserung didaktischer Praxis macht daher auch eine Veränderung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erforderlich, falls sich diese als Störfaktor für den didaktischen Prozess erweisen.



    "Didaktik akzeptiert nicht einfach gesellschaftliche Zustände, sondern kritisiert sie, weist sie als nachteilig, als unzumutbar o. Ä. für didaktische Prozesse aus und trachtet sie zu verändern."(Peterßen, 2001, S. 214)

    => Kritische Didaktik ist immer auch Gesellschaftskritik


    Kritische Didaktik ist also (zwangsläufig) politisch:

    - Aufgabe der Forderung nach Wertfreiheit zu Gunsten                  kritischer Stellungnahme

    - aktives Eingreifen in das gesellschaftliche Geschehen, um die gesellschaftlichen Vorraussetzungen zu schaffen, die adäquates didaktisches Handeln ermöglichen

    Kritische Didaktik ist in gewisser Weise destruktiv:

    - problematisiert Unterrichtsroutinen

    - soll "Störungen" des Unterrichts aufdecken und beseitigen

    - will falsche Vorstellungen bezüglich Unterricht, Lernen, Lehren etc. offenbar machen (Ideologiekritik)


    Zielsetzung des Lehrens und Lernens:

    - Nicht möglichst effektive Faktenvermittlung sondern Emanzipation der Schülerinnen und Schüler

    - Vermittlung von Solidarität mit anderen und demokratischer Grundorientierung

    - Verbesserung und Humansierung der Gesellschaft

    "Kritisch ist diese Didaktik insofern, als sie vorhandene Wirklichkeiten, die Ist-Werte unserer Gesellschaft [...], eben nicht unkritisch akzeptiert, sondern - soweit dies Schule überhaupt kann - permanent zu verbessern trachtet, in Sollens-Werte zu überführen sucht. Erziehung, Schule, Unterricht haben Teil an der "emendatio rerum humanarum" (Comenius), an der Verbesserung der menschlichen Dinge, das heißt, sie entzünden sich an den Defekten der momentanen Wirklichkeit unter dem Horizont einer zukünftigen Möglichkeit. Und diese lautet für unsere Verhältnisse: Demokratisierung und Humanisierung aller Lebensbereiche." (Winkel, nach Gudjons u.a., 1999, S. 94)


    Kritisch-Kommunikative Didaktik "begreift Lehren und Lernen also als solidarische Akte menschlicher Emanzipation, d.h. als Befreiung aus Un- und Falschwissen, inhumaner Lebensführung usw., mit dem Ziel einer permanenten Demokratisierung und Humanisierung der gesellschaftlichen Praxis auch und gerade in Schule." (Winkel nach Peterßen, 2001, S.215)



    "Gewiß ist Erziehung nicht der Hebel der Veränderung, aber sie macht sichtbar, wo er anzusetzen ist." (Schaller nach Peterßen, 2001, S. 214)



    (2) Analyse- und Planungskonzept der kritisch-kommunikativen Didaktik      



    3) Abgrenzung zu den anderen Theorien

    - kritisch-kommunikative Didaktik ist die jüngste Theorie


    - kritisch-kommunikative Didaktik entwickelte sich aufgrund von Kritik an den anderen Theorien


    - bildungstheoretische und lerntheoretische Didaktik sind kritisch-kommunikativer Didaktik am ähnlichsten, da sie den nachhaltigsten Veränderungsprozess durchgemacht haben


    - lern-/lehrtheoretische Didaktik analysiert das reale Sein von Unterricht und thematisiert das Sollen

    - kritisch-kommunikative Didaktik versteht sich als Ergänzung, Fortführung und Korrektur der bildungs- und lerntheoretischen Didaktik

    -> dabei wird nicht Alt durch Neu ersetzt, sondern versucht, Altes zu verbessern: Unterricht soll vieldimensionaler und realitätsnaher als zuvor geplant und analysiert werde

    -> strukturelle Andersartigkeiten sollen herausgearbeitet, Fortentwicklung und Kurskorrekturen verfolgt und Unterschiede zum Zwecke der Optimierung didaktischer Bemühungen benannt werden

    => die Praxis schulischen Wirkens soll adäquater verstanden werden

    - „Didaktische Analyse“ kann Unterricht planen, aber nicht analysieren

    -> ist eine lehrerorientierte Didaktik (Hilfestellung für Lehrkräfte), geht nicht auf Unterrichtsgeschehen ein (Ausnahme: gestörter Unterricht) <-> lehrtheoretische Didaktik analysiert realen Unterricht

    - heißt „Analyse und Planen“ von unterrichtlichen Lehr- und Lernprozessen

    -> weder lehrtheoretische noch lerntheoretische Didaktik berücksichtigen beides

    => bei kritisch-kommunikativer Didaktik erwächst die Planung aus der Analyse und ermöglicht dadurch eine bessere Planung

    - am weitesten von der kritisch-kommunikativen Didaktik entfernt sind die curriculare (lernzielorientierte curriculare Strategien) und die informationstheoretische Didaktik (informationstheoretisch-kybernetische Modelle)


    - nicht nur lehrerorientierte Didaktik, sondern auch schülerorientiert (Lehrer und Schüler sind gleichberechtigte Kommunikationsteilnehmer im unterrichtlichen Prozess)


    - Lernen wird als gleichwertiger Teilbereich des gesamtgesellschaftlichen Lebens begriffen

    (4) Aktiver Teil

    Arbeitsauftrag:

    Im Folgenden werden nun nacheinander einige Aussagen bezüglich der kritisch-kommunikativen Didaktik eingeblendet. Entscheidet für jede Aussage jeweils, ob diese richtig oder falsch ist und wählt das Antwortkärtchen in der entsprechenden Farbe aus. Rot steht für "falsch", grün steht für "richtig".

    Wichtig: Die Antwortkärtchen werden erst auf unser Zeichen hin gleichzeitig hochgehoben. 

    Zentrales Ziel der kritisch-kommunikativen Didaktik ist es, die fachlichen Kompetenzen der SuS optimal zu fördern.

    Die Vertreter der kritisch-kommunikativen Didaktik gehen davon aus, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingunen nun einmal vorgegeben sind. Deshalb sollten Schule und Unterricht darauf abzielen, die SuS möglichst gut auf die faktische Realität vorzubereiten.

    Die kritisch-kommunikative Didaktik empfielt eine symmetrische Kommunikation zwischen Lehrkraft und SuS.

    Die kritisch-kommunikative Didaktik fordert, dass SuS an der Planung und Gestaltung von Unterricht beteiligt werden.

    Schon für die Lehrtheoretische Didaktik war die Störfaktizität des Unterrichts ein zentraler Aspekt.

    Die Vertreter der kritisch-kommunikativen Didaktik konzentrieren sich vornehmlich auf die Analyse von realem Unterricht.

    Die kritisch-kommunikative Didaktik sieht eine enge Verzahnung der Analyse und Planung von Unterricht vor.

    Die Vermittlung von fachlichem Wissen spielt für die kritisch-kommunikative Didaktik keine Rolle.

    Nach dem Standpunkt der kritisch-kommunikativen Didaktik sollte sich die Didaktik immer den Entscheidungen der aktuellen Bildungspolitik anpassen.

    Im Rahmen der kritisch-kommunikativen Didaktik spielt der Erzieherischer Aspekt von Schule nur eine untergeordnete Rolle.

    Die Ideale der kritisch-kommunikativen Didaktik sind in unserem heutigen Schulsystem bereits weitgehend verwirklicht.

    5) Kritikpunkte

    (1) Dilemma: Negatives wird angekreidet, aber es wird keine Hilfestellung gegeben/kein Verbesserungsvorschlag gemacht:


    „Die kritisch-kommunikative Didaktik hat sich über lange Zeit wenig konstruktiv, stattdessen destruktiv erwiesen, d. h. sie zeigte zwar sehr viele negative Erscheinungen in der didaktischen Wirklichkeit auf, ohne aber positive Vorschläge dem entgegenzustellen.“

    (2)  „Kritisch-kommunikative Didaktik hat sich teilweise in einer überzogen-abstrakten Sprache dargeboten und machte sich so für einen großen Kreis unverständlich.“

    (3) „Die kritisch-kommunikative Didaktik hat sich lange Zeit als zu formal und allgemein erwiesen.“


     --> allgemeine Vorgaben, die nicht ohne Weiteres in die Realität umgesetzt werden konnten

    (6) Partizipative Unterrichtsplanung

    Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!

     Literatur


    - Peterßen, Wilhelm H. (2001): Lehrbuch allgemeine Didaktik, 6.,  völlig veränd., aktualisierte und stark erw. Auflage, München, Oldenbourg, S. 204-227.

    - Winkel, Rainer (1999): Didaktische Theorien, 10. Auflage, Hamburg, Bergmann und Helbig, S. 93-110.

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    by oliviamalek

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    Public - 5/28/16, 10:32 PM